Verkehrte Prioritäten in Gladbeck: Autobahnplanung statt Radwegeausbau

Die jüngsten Entwicklungen im Bereich der interkommunalen Verkehrsplanung offenbaren eine eklatante Fehlausrichtung der städtischen Prioritäten in Gladbeck. Während die Nachbarstadt Bottrop bereits in diesem Jahr mit dem Bau einer gemeinsamen Radvorrangroute von der Stadtgrenze aus beginnen wird, verzögert sich die Planungsfortsetzung auf Gladbecker Seite „personalbedingt“ bis ins kommende Jahr.

Diese Begründung steht in einem bemerkenswerten Kontrast zur umfangreichen Ressourcenbereitstellung für die Planung einer weiteren Autobahn durch das Stadtgebiet Gladbecks – einer Aufgabe, die primär in den Zuständigkeitsbereich des Bundes fällt. Die Stadtverwaltung investiert erhebliche Mittel in Dialogveranstaltungen und aufwendige Studien für eine Autobahntrasse durch die Stadtmitte sowie ein dreistöckiges Autobahnkreuz in unmittelbarer Nähe des Schlosses Wittringen.

„Eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik sieht anders aus“, konstatiert Bernd Lehmann, Stadtverbandsvorsitzender der Gladbecker Grünen. „Während wir als GRÜNE eigens für die Verkehrswende zusätzliches Personal im Planungsamt durchgesetzt hatten, kümmert sich die Bürgermeisterin zusammen mit der Ratsmehrheit wenig um die Bahnhöfe und Schienenwege! Die Radwegeplanungen stocken. Gleichzeitig investiert sie aber fleißig in die Planung einer Bundesautobahn.“

Die Diskrepanz zwischen den Entwicklungen in den Nachbarstädten verdeutlicht die Problematik: In Bottrop schreitet der Ausbau der Radinfrastruktur zügig voran, während in Gladbeck die Planung nur schleppend Fortschitte macht. Besonders bedauerlich ist dies angesichts der vorhandenen, ungenutzten Potenziale wie der brachliegenden Bahntrassen in Ellinghorst zwischen der Bottroper Straße und der Autobahn.

Die Gladbecker Grünen fordern einen grundlegenden Prioritätenwechsel in der städtischen Verkehrsplanung: weg von der anachronistischen Fixierung auf den motorisierten Individualverkehr, hin zu einer konsequenten Förderung umweltfreundlicher Mobilitätsformen. Die ehemaligen Gleistrassen bieten hervorragende Möglichkeiten für die Entwicklung breiter Radschnellwege und -vorrangtrassen, die einen wesentlichen Beitrag zur dringend notwendigen Verkehrswende leisten könnten.

Die mangelnde Aufmerksamkeit für den Schienenverkehr, wie etwa bei der Planung eines neuen Bahnhofs an der Bülser Straße, unterstreicht die einseitige Ausrichtung der aktuellen Verkehrspolitik. Die Grünen werden sich weiterhin mit Nachdruck für eine Neuausrichtung einsetzen, die den Anforderungen einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Stadtentwicklung gerecht wird.